Was ist beim Fotografieren einer Sonnenfinsternis zu beachten?
Wir hatten ja gerade nach langer Zeit endlich mal wieder eine Sonnenfinsternis, die auch in Teilen von Europa zu beobachten war.
Da die Phase der Totalität meist recht kurz ist, lohnt es sich, sich rechtzeitig vorzubereiten und die Ausrüstung vorher zu testen, vor allem vorher zu erproben, mit welchen Belichtungszeiten die Sonne gut abgebildet wird.
Für die Ausrüstung und Vorbereitungen:
Wir brauchen:
- Ein Stativ, auf dem die Kamera sicher steht
- Einen Objektivpinsel, um die Linsen vorher gründlich staubfrei zu bekommen.
- Einen Fern-Auslöser, damit wir bei Aufnahme nicht an der Kamera wackeln. Für das iPhone habe ich als Auslöser die Apple Watch genommen.
- Wenn wir auch Sonnenflecken und Protuberanzen sehen wollen, sollte das Objektiv wenigstens eine Brennweite von 200mm haben. Um die verfinsterte Sonne in der Landschaft zu zeigen, reicht aber auch schon der optische fünffach Zoom der neueren iPhone Modelle.
- Eine Schutzbrille für die Augen, um unsere Netzhaut zu schonen
- Ein Sonnenschutz-Filter für das Objektiv der Kamera, und wenn die Kamera einen separaten Sucher hat, auch ein Filter für das Objektiv des Suchers.
Das Filter gehört unbedingt vor das Objektiv, nicht erst hinter das Okular. Die Linse des Objektivs wirkt sonst wie ein Brennglas, das den Verschluss und den Sensor verschmort, vor allem, wenn wir die Kamera auf einem Stativ aufbauen, so dass die Sonne lange immer an derselben Stelle des Bildes erscheint. Bei einer Digitalkamera, die uns das Bild auf einem Bildschirm zeigt, brauchen wir keine Schutzbrille, um das Bild auf dem Bildschirm zu sehen.
Ich habe mir als Filter für die Aufnahmen einen Bogen DinA4 AstroSolar-Filterfolie von Baader-Planetarium in der Stärke OD 5.0 bestellt (andere Marken tun es sicher auch, aber die habe ich nicht ausprobiert). Der reichte locker für das Zoom Objektiv meiner Digitalkamera und auch für die drei Kameras meines iPhone 15 Pro Max. Um die Folie am Zoom Objektiv zu befestigen, habe ich einen kleine Pappröhre zusammengeklebt, die sich als Tubus um das Objektiv stecken ließ. Und auf diese Pappröhre mit Tesafilm die Filterfolie geklebt.
Für das iPhone habe ich eine Manschette aus Pappe zusammengeklebt, die ich eng anliegend über die obere Hälfte des iPhone schieben konnte, mit einem Fenster für die Kameras, und über dieses Fenster die Folie drüber geklebt.
Die Folie ist empfindlich, daher beim Basteln darauf achten, dass keine Risse entstehen.
Warum die Bastelei der Papphalter, wenn man doch fertige Filter kaufen kann, die sich auf das Objektiv aufschrauben lassen?
Ich wollte gerne die Filter sehr schnell abnehmen und wieder aufsetzen können. Wir brauchen die Filter nur während die Sonne noch nicht total verfinstert ist. Wenn der Mond die Sonne vollständig verdeckt, müssen die Filter sofort herunter, damit wir auch die Korona der Sonne und die Protuberanzen aufnehmen können und auch die Mare auf dem Mond selbst. Da möchte man nicht erst schrauben müssen, um die Filter herunterzubekommen.
Und sobald der Mond die Sonne wieder freigibt und der Diamantring am Sonnenrand erscheint, müssen die Filer schnell wieder aufgesetzt werden, es sei denn, dass die verfinsterte Sonne sehr tief am Horizont steht, so wie es bei der letzten Finsternis war.
Wir werden wahrscheinlich viele Aufnahmen in schneller Folge mit unterschiedlichen Belichtungen aufnehmen wollen. Die Akkus sollten daher voll geladen sein, und die Speicherkarte viel Platz haben.
Einstellungen für die Aufnahmen:
- Das Format: Ich rate dringend dazu, die Bilder einer Sonnenfinsternis im RAW Format aufzunehmen. Die Helligkeitsunterschiede zwischen den hellen Bereichen der Sonnenoberfläche und den Sonnenflecken und den Protuberanzen am Rand ist enorm. Nur beim RAW Format wird die Helligkeit mit genügend Intensitätsstufen aufgenommen, dass wir genügend Freiraum bei der Entwicklung und Bearbeitung haben, um alle Strukturen herauszukitzeln.
- Belichtung: Bei der Aufnahme müssen wir überbelichtete Bereiche der Sonnenscheibe vermeiden. Selbst mit dem aufgesetzten Filter musste ich die Sonne noch stark unterbelichten, bis ich die Sonnenflecken erkennen konnte. Mit dem iPhone reichte der Zoom nicht, um diese feinen Strukturen zu sehen. Bei meiner Kamera (eine Panasonic DC-FZ82D waren die Aufnahmen mit -2 Blendenstufen Unterbelichtung am besten, um die Randverdunklung der Sonne sehen zu können und die Sonnenflecken.
- Empfindlichkeit: Auch mit Filterfolie ist noch soviel Licht vorhanden, dass wir keine hohe ISO Empfindlichkeit einstellen müssen. Ich habe einen niedrigen ISO Wert gewählt, um das Rauschen niedrig zu halten.
- Bracketing: Um sicherzugehen, habe ich die Kamera so eingestellt, dass sie gleich eine ganze Belichtungsserie mit unterschiedlich belichteten Aufnahmen aufgenommen hat. So konnte ich hinterher noch wählen, welche Belichtung am besten war.
- Belichtungszeit: Die Belichtungszeit sollte nicht länger als eine halbe Sekunde werden. Auf dem Stativ werden wir die Aufnahme zwar nicht verwackeln, aber der Himmel dreht sich ja weiter, und das kann bei längeren Belichtungszeiten zu Bewegungsunschärfe führen, wenn wir ein einfaches Stativ und keine parallaktische Montierung mit automatischer Nachführung haben.
- Blitz: Unbedingt den Blitz abstellen - das Blitzlicht nützt nichts, stört aber andere, die die Finsternis geniessen wollen.
- Speichern der Einstellungen: Da wir unterschiedliche Einstellungen für die totale Finsternis und die partielle Finsternis brauchen, lohnt es sich, die vordefinierten Einstellungen in der Kamera als Programm zu speichern, wenn die Kamera das unterstützt. Das kann man in Ruhe noch zuhause machen und verliert keine wertvolle Zeit beim Beginn der totalen Verfinsterung.
Ich habe am Tag vorher mit Probeaufnahmen verschiedene Belichtungen ausprobiert, bis ich die richtige Einstellung gefunden habe.
Und nun ein paar Beispiele:
Die halb verfinsterte Sonne, aufgenommen mit ISO 80, 885mm, f5/6, 1/640 sec. Die Radverdunklung und die wenigen Sonnenflecken, die die Sonne an dem Tag hatte, sind klar zu erkennen.
Eine Aufnahme mit dem iPhone 15 Pro Max, mit der 5fach Telekamera: Der optische 5fach Zoom reicht nicht, um Sonnenflecken erkennen zu können.
Nachdem ich die Filter abgenommen hatte, bei der Totalität: Die Korona wird sichtbar und der letzte Rest der Sonne überstrahlt alles und erzeugt den Diamantring Effekt.
Während der totalen Verfinsterung:
Man kann am linken Rand der Sonne eine sehr helle Protuberanz sehen, und viele kleine rote Flecken im oberen rechten Viertel. Wolkenschleier haben leider die Korona und den Mond etwas verdeckt.
Und trotzt aller Vorsicht ist die Protuberanz überbelichtet. Das liebes sich Bearbeiten auch mit dem Highlight Regler nicht mehr korrigieren.
Bei meinem iPhone ist mir aufgefallen, dass die automatische Belichtung und Fokussierung zu hilfreich sein wollten. Ich musste immer wieder den Fokus nachkorrigieren, da es gerne auf die Filterfolie fokussieren wollte und in den Makromodus gewechselt ist. Beim Fokussieren auf den Rand der Sonne tippen, nicht ins Zentrum, damit eine scharfe Kante im Zentrum ist. Und anstelle der vorinstallierte Kamera.app alternative Kamera Apps probieren, bei denen wir alles manuell steuern können.
Ich hoffe, dieser Tipp gibt einige Anregungen, wie man das Fotografieren einer Sonnenfinsternis vorbereiten kann und worauf man achten sollte. Eine gute Vorbereitung hilft, vor allem, die verschiedenen Belichtungseinstellungen der Kamera ausprobieren. Während der Finsternis selbst, ist es zu spät, das Handbuch zu lesen.
Viel Erfolg bei der nächsten Sonnenfinsternis!
Leonie