Einige Gedanken zur Nutzung eines VPN

Zuletzt geändert: 15. Sept. 2026 22:47
1 72 Zuletzt geändert 15. Sept. 2026 22:47

Wir stossen hier im Forum immer wieder auf Nutzer, die Probleme mit ihrer Internetverbindung (mobil und im WLAN), Mailabruf, Updates von Macs und iOS-Geräten haben, wenn ein VPN-Dienst genutzt wird.

 

Ich habe mir ein paar Gedanken dazu gemacht, die ich hier in verständlicher Form in einen Benutzertipp fasse. Netzwerkprofis mögen mir die eine oder andere Simplifizierung nachsehen. Ebenso wird es hier kein Tipps zur Einrichtung oder Verwendung eines VPN im privaten oder beruflichen Netzwerk geben.


Mir ist wichtig, dass der in diesen Dingen unerfahrene Nutzer die Grenzen und Probleme eines VPN-Dienstes erkennt und die für sich richtige Entscheidung für dessen Verwendung trifft.


Was macht eigentlich ein VPN ?


VPN heisst „Virtuelles persönliches Netzwerk“. Es stellt eine verschlüsselte Netzwerkverbindung zwischen einem Endgerät (Client, also z.B. einem Mac, einem iPhone, iPad usw.) und einem Netzwerkserver her – einen sogenannten „Tunnel“-  und leitet („routet“) sämtlichen Netzwerkverkehr („Traffic“) über diesen Tunnel.


Viele Unternehmen setzen diese Technik ein, um ihren Mitarbeitern im Homeoffice oder in entfernten Niederlassungen sichere Serverzugänge ins Unternehmen zu ermöglichen.


Auch im privaten Bereich kann ein VPN nützlich sein. So bieten z.B. FritzBoxen die Möglichkeit, mittels VPN sicher auf das Heimnetzwerk und z.B. ein NAS oder einen Server zuzugreifen.


Was versprechen gewerbliche VPN-Anbieter und was passiert tatsächlich ?


Gewerbliche Anbieter preisen ihre Dienste als zusätzliche Sicherheit an, wenn man in einem fremden, nicht verschlüsselten Netzwerk – also z.B. einem öffentlichen Hotspot, Internetcafé oder dergleichen - unterwegs ist. Es ist sicher korrekt, dass dann die anderen Teilnehmer in diesen Netzen den (verschlüsselten) Traffic nicht „sehen“ und Passwörter und Zugangsdaten auf diesem Weg nicht „abfangen“ können.


Allerdings ist diese Sicherheit trügerisch. 


Zum einen schützt ein VPN nicht vor Malware, Viren, Trojanern usw. Es schützt auch nicht davor, dass Webseitenanbieter das Gerät, mit dem du im Web unterwegs bist, tracken und identifizieren können (z.B. am Browser-Fingerprint).


Stattdessen verlagert das VPN das Vertrauen von einem verschlüsselten, lokalen Netzwerk – also z.B. einem WPA-gesicherten WLAN – auf den Betreiber des jeweiligen VPN-Dienstes. 


Es wird nämlich der gesamte Traffic einschliesslich Zugangsdaten, Passwörter und den Daten selbst über dessen Server geroutet. Und die wenigsten dieser Unternehmen geben preis, wo ihre Server stehen und was dort mit den Daten passiert. Ich mag mir gar nicht vorstellen, was geschieht, wenn ich z.B. mit grossen Aktiendepots im VPN eines ausländischen Unternehmens (z.B. Kaspersky, Avira, McAffee…) unterwegs bin. Die geringste Gefahr ist noch, dass die übermittelten Informationen für unerlaubte Werbung genutzt werden.


Besonders gross ist das Risiko bei den zahlreichen Gratis- oder Billig-VPN-Anbietern. Die verdienen in der Regel mit den auf diese Weise ergaunerten Daten ihr Geld.


Gibt es noch weitere Probleme ?


Ja, die gibt es.


Ein von einem externen Anbieter bereitgestelltes VPN kann im Heimnetzwerk auch den internen Netzwerk-Verkehr über externe Server routen und damit den Zugang zum eigenen Provider unterbinden. Es besteht dann eine WLAN-Verbindung, auch ein Zugang zum Internet, aber es können keinerlei Seiten geöffnet werden und der Mailverkehr wird unterbunden. Die Ursache ist meist, dass das normale DNS im Netzwerk des VPN-Anbieters nicht mehr funktioniert und URL’s nicht mehr wie gewohnt aufgelöst werden können.


Selbst wenn mit VPN ein „normaler“ Internetzugang möglich ist, kann die Nutzung externer Server des Anbieters auf einem Mac oder iOS-Gerät zu erheblichen Problemen bei z.B. macOS- oder iOS-Updates führen. 


Es kann auch Probleme geben, sich am Apple Account anzumelden und es damit unmöglich werden, ein neues Gerät zu aktivieren oder den Account zu verwalten. Auch die iCloud-Synchronisation und der iCloud-Maildienst kann negativ beeinflusst werden. 


Häufig betroffen sind auch Maildienste von Drittanbietern (GMX, Sophos etc.), bei denen Serververbindungen nicht mehr hergestellt werden können.


Auf iOS-Geräten kann ein VPN im Mobilfunk selbst beim Telefonieren zu Problemen führen. Auch hier kann das DNS eingeschränkt sein und der Zugriff auf Webseiten, Internetdienste und Mailaccounts behindert werden.


Zuhause im gesicherten Netzwerk macht ein VPN mit dem Ziel, die Netzwerkverbindung sicherer zu machen, grundsätzlich ohnehin überhaupt keinen Sinn. Zum einen sind praktisch alle privaten WLAN WPA-verschlüsselt, zum anderen nutzen die meisten Webseitenbetreiber https und der Mailverkehr ist TLS-verschlüsselt. Ein VPN bietet also keine zusätzliche Sicherheit.


Das gilt im Übrigen auch für den oben geschilderten Fall der Nutzung von öffentlichen Hotspots. Der Datenverkehr via https ist zwar „nur“ transportverschlüsselt, schützt aber vor dem „Mithören“ anderer lokaler Teilnehmer genauso wie ein VPN. Das trifft auch für TLS-verschlüsselten Mailverkehr zu.


Hat ein VPN überhaupt einen Nutzen ?


Natürlich hat ein VPN auch positive Aspekte. 


Der wichtigste ist der sichere Zugriff auf eine entfernte Netzwerkressource, also z.B. einen Unternehmensserver oder ein NAS im Heimnetzwerk. Beides ist idR mit gängigen Routern, z.B. einer FritzBox im Privatanwenderbereich oder einer SonicWall im B2B-Bereich ohne fremde Dienstanbieter möglich.


Aber auch die können nützlich sein. Viele Internetdienste, z.B. die Mediatheken nationaler Fernsehanstalten, Streaminganbieter o.ä. sind durch Geoblocking eingeschränkt. Das bedeutet, dass diese Dienste nur dann aus dem Web erreichbar sind, wenn die IP, unter der der Nutzer im Web unterwegs ist, aus dem jeweiligen Land stammt. Viele VPN-Anbieter ermöglichen die Wahl beliebiger, virtueller Standorte, indem Serveradressen aus den jeweils gewünschten Ländern verwendet werden. Dieser Umstand wird auch in einigen totalitären Staaten genutzt, um Zugriff auf dort verbotene, soziale Medien aus dem Ausland zu bekommen.


Uns hilft das z.B. im Urlaub, um von unterwegs unsere Lieblingsserien aus einer Mediathek anzuschauen oder bestimmte Einschränkungen in ausländischen Netzwerken zu umgehen.


Und jetzt ?


Ein VPN ist dann nützlich und sinnvoll, wenn man den Nutzen und die Grenzen kennt. 


Ein VPN bietet keinen zusätzlichen Schutz im Web. Es schützt nicht vor Malware, Spam und Angriffen auf das verwendete Gerät.


Das Vertrauen in die Sicherheit des lokalen Netzwerks wird lediglich auf den Anbieter des VPN-Dienstes und dessen Server (die mglw. In einem wenig sicheren Land stehen) verlagert.


Besser ist es, in öffentlichen Netzwerken wie Hotspots, Hotels, Bahnhöfen und Flughäfen auf sicherheitsrelevante Aktivitäten im Netz zu verzichten. Wenn es unumgänglich ist, sollte man darauf achten, dass die Verbindung https/TLS-verschlüsselt und zusätzlich gesichert ist (z.B. mit 2FA oder eine SecureGo-App). Im Zweifelsfall lieber das mobile Datennetzwerk nutzen.


Diesen zweifelhaften Sicherheitsaspekt erkauft man sich durch allfällige Probleme mit bestimmten Netzwerkdiensten (s.o.), die durch das VPN unterbunden oder gestört werden.


VPN ist sehr nützlich beim Zugriff auf entfernte Ressourcen, das ist idR aber ohne einen kostenpflichtigen Dienst möglich.


Wer im Urlaub ein VPN nutzen möchte, um Geoblocking zum umgehen, sollte dies mit einem namhaften Anbieter tun, dessen Server in der EU stehen. Das Geoblocking kann zumindest für deutsche Dienste natürlich auch mit einem eigenen, privaten VPN zum Router zuhause umgangen werden.


Im Heimnetzwerk ist ein VPN eines gewerblichen Anbieters in jedem Fall nutz- und sinnlos.


Den Nutzern hier im Forum lege ich ans Herz, sich genau zu überlegen, wozu das VPN benötigt wird. Die zusätzlichen Sicherheitsaspekte sind stark begrenzt, die allumfassenden Werbeaussagen der Anbieter verführen aber zu Leichtsinn und Fahrlässigkeit. Man ist eben nicht „unsichtbar“ und mit einem magischen Zaubermantel geschützt im Internet unterwegs, wenn man viel Geld für ein Monatsabo für einen VPN-Dienst ausgibt. Letzteres ist – ähnlich wie bei Antivirensoftware – nach meinem Dafürhalten die eigentliche Motivation für den Aufbau von Drohszenarien und der Behauptung des allumfassenden Schutzes davor durch die Anbieter dieser Dienste. Bei kostenlosen VPN-Diensten halte ich die Gefahr des illegalen Ausspähens persönlicher Daten sogar für die grössere und reale Bedrohung.

Kommentare

12. Sept. 2026 20:31

ein kleiner Verbesserungsvorschlag:

in meinen Ohren klingt „unbedarft“ etwas negativ. Unerfahren fände ich besser, auch Anfänger:innen oder ähnlich würde mir besser gefallen.

12. Sept. 2026 20:31

15. Sept. 2026 22:47

Hi Netcracker,


Ich habe irgendwo schonmal so einen ähnlichen Text veröffentlicht, mit mehr oder weniger „Anleitung“ zum selber installieren. Deswegen würde ich gerne 1-2 Gedanken noch anhängen.


  1. Für den Preis eines kommerziellen VPN Anbieters pro Monat kann man bei sehr vielen Mobilfunktarifen schon die nächst höhere Datenvolumenstufe erreichen. Anstelle in irgendwelchen wilden öffentlichen Hotspots zu surfen (klar gibt es manchmal auch einen Nutzen für solche Hotspots, beispielsweise schlechter Mobilfunkempfang) ist man dann auf dem eigenen Datenvolumen unterwegs und schützt sich damit vor Man in the middle Attacken, eine der größten Werbetrommeln der Unternehmen.
  2. Das Streamen von Inhalten aus anderen Ländern, beispielsweise von Netflix oder Amazon Prime wird häufig trotzdem blockiert. Oftmals werden IP Adresse, die auf Datencenter zugewiesen sind einfach gesperrt. Ist ein Katz und Maus Spiel. Routed man sich aus dem Ausland aber auf das eigene heimische Netz geht es in der Regel problemlos, ist ja eine Privatadresse, man kann also im Urlaub die Shows von zuhause schauen, die ja Teilweise im Ausland auch blockiert sind. Zusätzlich erfordern einige Apps den echten Geostandort freigegeben zu bekommen, so war es früher bei der Sky App (vor mehr als 5 Jahren). Da bringt einem die VPN dann leider auch nichts.
  3. Ich finde es sehr gut, dass du so explizit auf die Risiken der VPNs eingehst, gerade im Bezug auf die Datenhoheit. Ich glaube das ist sehr wenigen Leuten wirklich bewusst, dass sie ihren gesamten Datenverkehr über Server dieser Firmen laufen lassen und ihr komplettes Vertrauen in deren Hände geben. Ich würde das nicht machen.


LG und guter Tipp.

Tobias

15. Sept. 2026 22:47

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