Hallo Martin,
gerne helfe ich dir hier weiter.
Zuvor aber ein kurzer und wichtiger Hinweis vorweg:
Du schreibst hier in einer reinen Anwender-Community. Niemand hier arbeitet für Apple oder kann Produktentscheidungen beeinflussen. Dein Text ist inhaltlich absolut legitim, erreicht Apple hier aber nicht. Wenn du möchtest, dass dein Feedback wirklich ankommt, solltest du ihn 1:1 an Apple richten.
Das geht hier: Product Feedback - Apple
Nun zum eigentlichen Thema Apple Intelligence und dem iPhone 15:
Ich versuche dir kurz zu erklären, warum dein iPhone 15 – trotz hoher Leistung – Apple Intelligence technisch nicht unterstützt.
Apple Intelligence ist anders aufgebaut als die meisten KI-Systeme am Markt. Dienste wie ChatGPT, Gemini oder Copilot rechnen fast alles in der Cloud: Deine Anfrage wird an Server geschickt, dort verarbeitet und das Ergebnis kommt zurück.
Apple geht bewusst einen anderen Weg. Der Kern von Apple Intelligence läuft direkt auf dem Gerät. Das heißt:
Die Sprachmodelle, Kontextanalyse, Textverarbeitung und viele KI-Funktionen werden lokal auf deinem iPhone ausgeführt. Genau das ist Apples Datenschutz-Versprechen: Deine Daten sollen das Gerät nicht verlassen.
Dafür braucht es aber zwei Dinge:
- Einen leistungsfähigen Neural-Chip
- Ausreichend Arbeitsspeicher (RAM)
Der A17 im iPhone 15 wäre kein großes Problem. Das eigentliche Nadelöhr ist der RAM. Apple verlangt für Apple Intelligence mindestens 8 GB Arbeitsspeicher, damit die lokalen KI-Modelle zuverlässig laufen können, ohne das System zu destabilisieren, Apps zu beenden oder den Akku massiv zu belasten.
Das iPhone 15 hat 6 GB RAM. Das ist für iOS, Apps und klassische Nutzung völlig ausreichend, aber nicht für mehrere gleichzeitig geladene Sprachmodelle, Kontextfenster und KI-Pipelines, die dauerhaft im Hintergrund mitlaufen sollen.
Apple könnte das theoretisch freischalten, aber dann würde Apple Intelligence auf diesen Geräten ruckeln, abbrechen oder ständig Speicher freigeben müssen. Das würde genau zu dem führen, was Apple vermeiden will: Eine schlechte, inkonsistente Nutzererfahrung. Deshalb ist die Beschränkung nicht willkürlich, sondern eine technische Schwelle.
Das wirkt nach außen wie künstliche Produktabgrenzung, hat hier aber tatsächlich eine reale Hardwarebasis.
Auch ein häufiger Irrtum sollte korrigiert werden: Apple Intelligence ist nicht einfach „ChatGPT mit Apple-Logo“.
Der Ablauf ist folgender:
- Deine Anfrage wird zuerst vollständig auf dem Gerät verarbeitet.
- Wenn das lokale Modell nicht ausreicht, wird sie an Apples eigene Private-Cloud-Server geschickt (ebenfalls speziell abgesichert).
- Erst wenn auch das nicht reicht, wirst du gefragt, ob die Anfrage an ChatGPT weitergegeben werden darf.
ChatGPT ist also die dritte Eskalationsstufe, nicht die Grundlage von Apple Intelligence.
Und trotzdem kommt man an einem Punkt deiner Kritik nicht vorbei:
Apple wirbt seit Mitte 2024 massiv mit Apple Intelligence. Der Begriff klingt nach einem vollwertigen KI-System, nach einem Durchbruch, nach produktiver Intelligenz. In der Realität sind die Funktionen bis heute eher dünn: GenMoji, ein paar Textvorschläge, einfache Bildbearbeitung, leicht verbesserte Siri-Antworten.
- Nichts davon rechtfertigt eigentlich die große Inszenierung.
- Siri ist weiterhin weit von echter KI-Assistenz entfernt.
- Die Bildfunktionen sind technisch nichts, was es nicht seit Jahren in anderer Software gibt.
- Und die Einbindung von ChatGPT zeigt eher, wie begrenzt Apples eigene KI derzeit ist.
Apple hat das Thema KI ähnlich verschlafen wie Microsoft einst das Smartphone. Der Marketing-Begriff Apple Intelligence ist stärker als das Produkt dahinter.
Dein Frust ist also nachvollziehbar, nur nicht an der Stelle, an der du ihn jetzt ablädst. Wenn du willst, dass Apple ihn hört, schick ihnen genau diesen Text über den Feedback-Link. Hier in der Community können wir dir nur erklären, warum es technisch so ist, wie es ist, nicht, warum Apple es marketingseitig so verkauft. Und da liegt tatsächlich das eigentliche Problem.
LG, Dutchman