Hallo Luis,
ich nutze den erweiterten Datenschutz selbst und halte ihn für eine der interessantesten Sicherheitsfunktionen, die Apple in den letzten Jahren eingeführt hat.
Viele denken zunächst, dass ihre Daten dadurch „endlich verschlüsselt“ werden. Tatsächlich sind Apple-Geräte bereits standardmäßig stark verschlüsselt und auch viele iCloud-Daten werden sowohl bei der Übertragung als auch bei der Speicherung verschlüsselt.
Der eigentliche Knackpunkt des erweiterten Datenschutzes sind daher aus meiner Sicht nicht die Daten selbst, sondern die Schlüssel.
Genau hier setzt der erweiterte Datenschutz an. Die eigentliche Veränderung besteht darin, dass die Kontrolle über deutlich mehr Schlüssel vom Anbieter auf den Nutzer und dessen vertrauenswürdige Geräte verlagert wird.
Spannend finde ich, dass Sicherheitsexperten Apple über Jahre genau an diesem Punkt kritisiert haben. Die Diskussion lautete oft nicht, ob Apple eine stärkere Absicherung technisch umsetzen kann, sondern warum dieses Schutzniveau nicht für deutlich mehr iCloud-Daten angeboten wird.
Damit wird auch verständlich, warum Apple so viel Wert auf Wiederherstellungskontakte und Wiederherstellungsschlüssel legt. Es geht dabei nicht nur um einen Passwort-Reset. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, nach einem Verlust aller Geräte oder Zugangsdaten wieder an die kryptographischen Schlüssel zu gelangen, die für die verschlüsselten Daten benötigt werden.
Hier liegt auch die Kehrseite der Medaille: Mit dem höheren Schutzniveau steigt die Eigenverantwortung. Das bedeutet nicht, dass Apple bei Problemen mit dem Apple Account gar nicht mehr helfen kann. Der entscheidende Unterschied ist vielmehr, dass Apple bei vielen der geschützten Daten nicht mehr selbst über die notwendigen Schlüssel verfügt. Gehen diese Schlüssel verloren und greifen die eingerichteten Wiederherstellungsmethoden nicht, kann Apple die verschlüsselten Inhalte nicht einfach wieder entschlüsseln.
Für mich persönlich macht genau dieser Punkt den erweiterten Datenschutz so interessant. Er schützt nicht nur vor einem möglichen Angriff auf Cloud-Daten. Auch Unternehmen wie Apple investieren enorme Ressourcen in die Sicherheit ihrer Systeme, dennoch gibt es in der IT-Sicherheit keine absolute Garantie gegen Sicherheitsvorfälle oder Datendiebstahl.
Der erweiterte Datenschutz reduziert die Folgen eines solchen Szenarios erheblich. Selbst wenn es einem Angreifer gelingen sollte, an gespeicherte Cloud-Daten zu gelangen, fehlen ihm bei vielen Datenkategorien die notwendigen Schlüssel. Das ist letztlich einer der Grundgedanken moderner Ende-zu-Ende-Verschlüsselung: Nicht nur den Zugriff zu erschweren, sondern sicherzustellen, dass abgeflossene Daten möglichst wenig Nutzen für einen Angreifer haben.
Im Alltag bemerke ich von der Funktion nichts. Aus Sicht der Sicherheitsarchitektur ist sie jedoch ein bemerkenswerter Schritt.
Viele Grüße