Hallo Monomomo_85
vorweg: Ich möchte dir ausdrücklich nichts unterstellen. Meine Nachfragen sind nicht als Angriff gemeint, sondern entstehen gerade deshalb, weil der von dir geschilderte Fall technisch sehr interessant ist und einige Punkte nicht ganz dem entsprechen, was ich in einem solchen Szenario erwarten würde.
Außerdem teile ich die hier in der Community häufig anzutreffende Ansicht nicht, dass Apple-Systeme grundsätzlich nicht angreifbar seien. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass auch iOS und macOS kritische Schwachstellen enthalten können. Ein Blick in die Security-Updates der letzten Jahre zeigt regelmäßig Fixes für teils schwerwiegende Sicherheitslücken, darunter auch solche, die aktiv ausgenutzt wurden. Daran wird sich meiner Einschätzung nach auch in Zukunft nichts ändern. Durch neue Funktionen, lokale KI-Modelle, Cloud-Anbindungen und die zunehmende Komplexität der Systeme entstehen zwangsläufig neue Angriffsflächen.
Deshalb halte ich es grundsätzlich nicht für unmöglich, dass ein iPhone kompromittiert werden kann. Allerdings wirft die konkrete Schilderung bei mir einige Fragen auf.
Wenn die Genius Bar tatsächlich eine konkrete Exploit-Kette oder sogar ein Implantat identifiziert haben sollte, wäre das ein außergewöhnlicher Vorgang. Genau deshalb interessieren mich die Details.
Ein paar Dinge haben bei mir Fragen aufgeworfen:
Wenn dort auf eine bekannte Schwachstelle getestet wurde, stellt sich die Frage, warum diese auf einer aktuellen iOS-Version noch vorhanden sein sollte.
Falls es sich hingegen um einen bislang unbekannten Exploit gehandelt haben soll, würde es mich überraschen, wenn dieser während eines regulären Genius-Bar-Termins erkannt, analysiert und einer konkreten Ursache zugeordnet werden konnte.
Ebenso hätte ich bei einer bestätigten Kompromittierung dieser Größenordnung erwartet, dass Apple ein erhebliches Interesse an dem betroffenen Gerät hat oder den Fall zumindest an ein spezialisiertes Security-Team weitergibt.
Der von dir beschriebene Zusammenhang mit der ELSTER-Zertifikatsdatei wirkt ebenfalls sehr spezifisch. Mich würde interessieren, ob dieser Zusammenhang technisch bestätigt wurde oder ob er sich aus dem zeitlichen Ablauf ergeben hat.
Eine funktionierende Exploit-Kette der beschriebenen Art wäre in der Sicherheitsbranche normalerweise von erheblichem Wert. Umso interessanter wäre es zu erfahren, welche konkreten Erkenntnisse Apple in deinem Fall gewonnen hat.
Ein weiterer Aspekt betrifft den Flugmodus. Viele Nutzer gehen davon aus, dass „Flugmodus = garantiert keine Internetverbindung“. Tatsächlich ist das Verhalten etwas komplexer. Während die Mobilfunkverbindung durch den Flugmodus zuverlässig deaktiviert wird, merkt sich iOS bestimmte Nutzerentscheidungen für WLAN und Bluetooth. Wer beispielsweise im Flugmodus WLAN oder Bluetooth manuell wieder aktiviert, kann dadurch beeinflussen, wie sich der Flugmodus künftig verhält. Je nach zuvor gespeicherter Konfiguration werden WLAN und/oder Bluetooth beim nächsten Aktivieren des Flugmodus möglicherweise nicht mehr automatisch deaktiviert. Deshalb wäre für mich interessant, wie konkret festgestellt wurde, dass tatsächlich trotz einer vollständig offline geschalteten Konfiguration noch eine aktive Internetverbindung bestand.
Auch die ursprüngliche Safari-Beobachtung finde ich spannend. Ich kann zumindest nachvollziehen, dass man daraus zunächst auf ein Sicherheitsproblem schließen könnte. Allerdings habe ich selbst schon mehrfach beobachtet, dass Safari bei instabilen oder sehr schlechten Verbindungen HTTPS-bezogene Warnungen anzeigt, obwohl die betreffende Seite grundsätzlich HTTPS verwendet. Das lässt sich teilweise sogar reproduzieren, wenn die Verbindung während des Verbindungsaufbaus gestört wird. Deshalb würde mich interessieren, wie ausgeschlossen wurde, dass die Warnungen durch ein Netzwerk- oder Safari-Problem verursacht wurden.
Wie gesagt: Ich möchte deine Aussagen nicht anzweifeln. Gerade weil einige der geschilderten Schlussfolgerungen weitreichend wären, interessieren mich die technischen Hintergründe und die Erkenntnisse von Apple im Detail.
Falls du dazu noch weitere Informationen hast, würde ich mich freuen, mehr darüber zu erfahren. Gerade bei einer angeblich bestätigten Zero-Day-Kompromittierung wären zusätzliche technische Details sicherlich für einige Leser hier interessant.