Das war auch in der alten Bundesrepublik für viele Jahre nicht anders. Mein ganzes Informatikstudium war geprägt von Dokumenten und Lehrmaterialien, in denen keine Frauen vorkamen. Laut meiner Diplomurkunde bin ich ich ein Diplominformatiker, laut meiner Promotionsurkunde bin ich ein Doktor der Naturwissenschaften und wurde als "Wissenschaftlicher Assistent" eingestellt.
Mich hat das ziemlich irritiert. Die Sprache, in der es für die meisten Berufe nur die männlichen Formen gibt, führt dazu, dass sich dann auch andere Bequemlichkeiten einschleichen. Damals habe ich viele Briefe bekommen die "Herrn. ..." adressiert waren, nur will sich viele Sekretäre nicht die Mühe gemacht haben, herauszufinden, ob das Schreiben an eine Frau oder einen Mann gerichtet war. Und in der Folge hiess es dann auch in Personalauswahlverfahren oder Berufungsverfahren "Wir brauchen einen Mann, der ...".
Meine Ernennungsurkunde als Universitätsprofessorin war das erste berufliche Dokument, dass tatsächlich eine weibliche Form für den Status verwendet hat. Ich bekomme immer noch Post mit der Anrede "Herr Professor", aber das ist seltener geworden.
Rein männliche Formen für alle Gruppen von Menschen zu verwenden, ist unangenehm für alle, die sich dadurch nicht angesprochen fühlen können. Unsere Sprache muss sich weiterentwickeln, so dass sie sich den veränderten Verhältnissen anpasst, aber es sollte eine Form sein, die nicht die gesprochene Sprache und Schriftsprache durch Kunstworte auseinander bringt.