Catalina ist wieder einer dieser Upgrades, bei denen das System komplett umgekrempelt und von Grund auf neu programmiert wurde. Apples scheint ca. alle fünf Jahre so einen Frühjahrsputz zu machen. Das macht das System schlanker und schneller (hoffentlich), die Schnittstellen übersichtlicher, aber es geht auf Kosten von alten Formaten und alten Programmen und der Kompatibilität mit alten Geräten.
Wenn man sich die Entwicklung der Mac Betriebsysteme vom ersten Macintosh in 1984 bis heute anschaut, gehen diese grossen Umwälzungen in der Systemsoftware Hand in Hand mit dem Umzug auf eine andere Hardware, und das ist ja auch der Moment, wo die Software von Grund auf überholt werden sollte.
Der erste richtig grosse Bruch kam Mitte der 90ziger beim Umzug von den Motorola Prozessoren auf den PowerPC und ein Unix System. Seit 2001 MacOS X. Apple hat den Benutzern zuliebe noch lange das alte Classic System unter dem neuen MacOS X emuliert, so dass wir alte, heißbeliebte Programme noch laufen lassen konnten. Die nächste Systemrevolution kam 2006, als der PowerPC durch Intel Prozessoren ersetzt wurde. Jetzt wurde der PowerPC code auf den Intel-Prozessoren in der Rosetta Umgebung emuliert, und wir konnten die PowerPC Programme weiter mitschleppen.
Mit MacOS 10.7 Lion war dann 2011 komplett Schluss mit PowerPC code. Aber dafür bekamen wir iCloud und die erste Integration der mobilen Geräte.
OS X 10.10 Yosemite (2015) war der nächste grosse Bruch - viele Programme waren nur noch in der 64-Bit version verfügbar, es war Schluss mit der Spielerei und den vielen Farben, das Benutzerinterface wurde noch grauer und flacher, keine verspielten Skeuomorphismen mehr, und die Benutzer konnten kaum noch die Bedienoberfläche selbst gestalten. iCloud und die iCloud Dienste haben den Entwurf dominiert: Continuity, Handoff, AirDrop, iCloud Drive - das erste System, bei dem die nahtlose Integration mit anderen Apple Geräten den Entwurf der mac Software komplett dominiert hat.
Catalina hat 2019 einen ähnlich grossen Umbruch wie Lion gebracht. Die Unterstützung für 32bit Software ist jetzt komplett verschwunden, auch viele Datenformate, die nur noch von 32bit Software (QuickTime Player 7) unterstützt wurden. Dafür öffnet sich das Tor für plattformübergreifende Software - geteilte Bibliothek zwischen iPhone, iPad und Mac, und mit dem neuen iPadOS die iPad Programme auf dem Mac laufen zu lassen.
Ich verstehe, dass Apple die Software regelmässig von Altlasten bereinigt, um die Zahl der Abhängigkeiten kein zu halten. Je komplexer eine Software ist, desto fehleranfälliger ist sie, und desto schwieriger wird die Qualitätssicherung und die Handhabung.
Dennoch tut es mir jedesmal leid um grossartige Programme, die dabei auf der Stecke bleiben oder zu Programmen mutieren, die mit dem ursprünglichen Programm nicht mehr viel zu tun haben- MacDraw, MacPaint, HyperCard, iWeb, iDVD, QuartzComposer, Aperture, iTunes ...