Tja, das geht jetzt tief in die Physik. Kamerasensoren zeichnen die einzelnen Farben nicht am gleichen Ort auf. Die Sensoren sind lichtempfindlich, die Farben werden durch vorgelagerte Filtermasken bestimmt. Und die sind zueinander versetzt, denn wären sie es nicht, käme kein Licht mehr durch. Also werden die roten, grünen und blauen Spektralanteile an etwas unterschiedlichen Orten auf dem Sensor aufgezeichnet. Dadurch ist eine weiße Lichtquelle nie ganz scharf, jede Farbe hat eine etwas andere Ortskoordinate auf dem Sensor.
Die Farbsäume entstehen durch diesen Versatz der Farbkanäle. Jede RAW-Engine geht etwas anders damit um, diesen geometrischen Sensorfehler zu korrigieren. Dadurch kommt es zu sichtbaren Unterschieden.
Es gibt noch andere Fehler, die in der Optik der Kamera auftreten, bis hin zu Beugungseffekten an der Blendenkante. Daher wird bei der digitalen Entwicklung meistens ein Kamera- und ein Objektivprofil zur Korrektur verwendet.
Affinity Photo hat die Besonderheit, dass 2 RAW-Engines angeboten werden, zwischen denen man umschalten kann. Einmal ihre hauseigene Engine, einmal die von Apple. Damit kann ich (auf dem Mac) innerhalb des gleichen Programms die beiden Engines gegeneinander antreten lassen. Wie gesagt, identisches RAW-Bild als Input, alle Regler in der Nullstellung. Egal was man da messen könnte, Messgerät #1 (Auge) erkennt eindeutige Unterschiede.
DNG ist insofern verlustfrei, dass es nicht komprimiert. Es ist nicht verlustfrei bezüglich der Auswirkungen aus der Bildentwicklung. Das ist kein Widerspruch - als verlustfrei werden nicht komprimierende Formate bezeichnet, auch wenn ihre Entstehung in einer Veränderung der ursprünglichen Sensordaten besteht.
Ohne den Entwicklungsschritt sind Sensordaten nur Pixelmatsch - was wir "sehen", wenn wir ein RAW öffnen, ist bereits eine Umrechnung der nackten Werte in etwas, was dem Benutzer angezeigt werden kann. Daher ist DNG einfach ein praktischer Trick, weil es ab der nächsten Bearbeitungsstufe erlaubt, immer auf ein einheitliches, verlustfreies Bildformat aufzusetzen. Man neutralisiert damit die ganzen RAW-Formate im ersten von mehreren Verarbeitungsschritten, und kann dann mit einem einheitlichen Format weiter arbeiten.
Affinity Photo schreibt an dieser Stelle kein DNG (das ist wie gesagt ein Adobe-Format), sondern eine Zwischendatei, die ".afphoto" als Kürzel trägt. Sachlich ist das etwas ähnliches wie ein DNG.